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Von V.H. Frater I.C.L.


Zahllose Bücher über Astrologie und Metaphysik hinterlassen den Eindruck, dass die 4 Elemente von fundamentalerer Natur sind als die zwölf Sternzeichen, da diese in vier Gruppen unterteilt werden können, die sich den Elementen zuordnen lassen. Die Identifikation der Triplizitäten des Zodiaks mit den Elementen ist jedoch relativ neu: Die zwölf Sternzeichen des Zodiaks existierten jedoch bereits seit 1'500 Jahren, bevor die Zeichen Widder, Löwe und Schütze zu Feuerzeichen erklärt wurden.

Ptolemaios macht keinerlei Angaben über die Elemente in seinem Werk zur Astrologie, zwar spricht er von Trigonen, oder Triplizitäten, er macht jedoch keinerlei Andeutungen, ob diese den 4 Elementen zugeordnet werden. Er beschreibt die Planeten, bzw. deren Qualitäten mit den Attributen heiß, kalt, feucht und trocken. Der Planet Mars zum Beispiel ist heiß und trocken, was im System der traditionellen Korrelationen (siehe Abb. 1) mit dem Element Feuer übereinstimmen würde. Manilius und später auch Fimmicus nehmen zu den Elementen in philosophischer Weise Bezug und beschreiben sie als die fundamentalen Komponenten der Welt und der Menschheit, verbinden sie jedoch nicht mit astrologischen Faktoren.

Die Verbindung zwischen den vier Elementen und der Astrologie beginnt mit den vier Launen der hippokratischen Medizin. Die hippokratischen Schriften aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert beziehen die vier Launen bereits zu den vier Qualitäten (siehe Abb. 1). Zur Zeit Ptolemaios oder kurz danach wurden die vier Launen mit den vier Elementen in Verbindung gebracht.

Zur Zeit des Mittelalters wurden die Planeten in Beziehung zu den Elementen gebracht, die erste Referenz zu feurigen, wässrigen, luftigen und irdischen Sternzeichen machte jedoch Nostradamus in seinem Werk. Daher mögen die Verbindungen der Sternzeichen mit den vier Elementen aus der Renaissance stammen. Eine deutsche Quelle aus dem Jahre 1495 beschreibt die Zeichen Stier, Widder und Jungfrau als Erdzeichen. Venus und Jupiter werden hier als Wasser- bzw. Luftplanet beschrieben, obgleich keiner dieser beiden Planeten ein Sternzeichen regiert, welches einem dieser Elemente zugeordnet wird.

Die Quellen machen verschiedene Aussagen über die Zuordnung von feurig, wässrig, luftig und irdisch.

Abb. 1. Die Launen und Gründe im Verhältnis zu den Qualitäten, wie sie im Corpus Hippocraticum (3. Jh. v. Chr.) und die Elemente und Planeten, die ihnen später zugeordnet wurden.

Die Annahme, dass das Universum aus vier Elementen besteht ist in keinem Fall universal. Jedoch spielen die vier Elemente eine bedeutende Rolle sowohl in Indien als auch in Europa, wohin sie via Griechenland, Rom und Arabien kamen. Ob diese Lehre nun von Westen nach Osten oder von Osten nach Westen wanderte oder vom späten Babylonien aus in beide Richtungen zog, ist nicht sicher, sicher ist nur, dass sie in der bekannten mesopotamischen Mythologie nicht vorkommen.
Das chinesische System besitzt fünf, manchmal sechs Elemente, wobei die Luft fehlt jedoch Holz und Metall dazukommen. Anderswo transzendiert und vereint oder gebiert ein fünftes Element die üblichen vier. Im Hinduismus wird es Äther bei den Alchimisten Quintessenz genannt. In China rangieren alle Elemente gleich hoch. Der Orient benutzt einen subtileren fünfteiligen Rahmen im Gegensatz zu dem vierteiligen, der vom Orient aus eindeutig westlich ist. Vierteilige Einheiten, wie die vier Himmelsrichtungen sind auf der ganzen Welt bekannt die westlichen vier Elemente oder Wurzeln der westlichen Weltanschauung, wie sie Empedokles nannte, jedoch nicht.

Die Elemente boten, sowohl individuell, als auch kollektiv, eine fruchtbare Quelle für Metaphern. Die Mythologie besitzt viele elementare Figuren, wie die wässrigen Gottheiten Okeanos oder Thetis. Das klassische griechische Pantheon entstand ursprünglich aus der Hochzeit zwischen Himmel und Erde, Uranos und Gaia. Zeus beherrschte den Himmel, Poseidon das Meer und Hades die Tiefen der Erde. Die sumerische Triade Anu, Enlil und Ea oder Enki beherrschten genauso Himmel, Erde und Wasser. Marduck in Babylon und Hephaistos, der griechische Gott des Vulkans, und der persische Ahura Mazda sind alle drei Feuergötter. Die Vergöttlichung der physischen Elemente beinhalten die Lebensprinzipien, die die Elemente selbst repräsentieren.

Die vorsokratischen Philosophen Griechenlands im 6. Jh. v. Chr. versuchten die Welt wie sie ist zu definieren, wobei die noch früheren mythologischen Konnotationen in ihren Theorien zu finden sind und dort beinahe religiöses Staunen auslöst. Durch das Herausfiltern eines Elementes, das die anderen hervorbrachte, unternahmen einige dieser Philosophen wohl eine Reise in ihre eigene Psyche. Im zweiten Teil von Göthes Faust, der hauptsächlich im antiken Griechenland situiert ist, debattieren die Philosophen Thales von Milet und Anaxagoras die relative Macht von Wasser und Feuer. Göthe selbst bevorzugt in seinem Buch Thales' nicht gewalttätiges Wasser und Anaxagoras muss sich mit seinem eher gewaltsamen Feuer, welches Vulkanausbrüche liebt, geschlagen geben. Göthes eigenes Horoskop zeigt nicht weniger als fünf Planeten und den Aszendenten im Element Wasser.

Die erste Erwähnung der vier Elemente im Westen findet sich bei den Pythagoräern. Pythagoras hinterließ keinerlei Schriften und sekundäre Quellen seines Lebens und seiner Lehren von späteren Autoren werden oft geschmäht. Der im mentalen Klima des 6. vorchristlichen Jahrhunderts lebende Pythagoras hat, wie es heißt, in Babylon studiert, wo die Lehre der vier Elemente möglicherweise herkommt. Die pythagoräische Welt bestand aus vier Elementen, vier Jahreszeiten, wobei das Leben in vier Stadien unterteilt war. Im folgenden Jahrhundert lehrte als erster Empedokles, dass auch der Mensch genauso aus denselben vier Elementen bestehe. Die Elemente existieren demnach sowohl im Innern als auch in der äußeren Welt und wurden später mit Systeme überführt, welche die Konzepte von heiß, kalt, trocken und feucht mit den hippokratischen Launen verband.

ERDE

Die physische Erde unter unseren Füssen ist offensichtlich, wie Dr. Johnson demonstrierte, als er, wütend über Bishop Berkeleys Beweis der Nicht-Existenz der Materie mit den Worten: "I refute it thus!" gegen einen Stein trat! Die Erde stellt in allgemeiner Übereinstimmung harte Fakten dar. Das übliche Bild Buddhas, welches ihn, sehr im Zeichen des Stiers, auf der Erde sitzend, mit einer Hand dieselbe berührend, diese als Zeugen der Echtheit seiner Erfahrung anruft, und die als Zeichen zu beben beginnt.

Erde impliziert Wortwörtlichkeit, wie dies der jungsche Psychoanalytiker James Hillman einmal bemerkte, indem er sagte, dass Menschen die "den Kontakt mit der Erde" verloren haben zum Graben in der Erde angeregt werden. Wir geben jedoch Menschen mit einem Mangel an Luft nicht den Rat, in einem Flugzeug herumzufliegen. Luft ist subtiler als Erde. Der griechische Philosoph Thales machte das Wasser zum Herrscher der Elemente, Anaximedes und, wie Göthe behauptet, auch Heraklit, die Luft und Anaxagoras das Feuer. Niemand sah die Erde als das erste oder fundamentales Element. Dies blieb den Alchimisten vorbehalten, die die Erde zu ihrer primären Metapher machten indem sie mit der Prima Materia anfingen und dem Stein der Weisen aufhörten. Die frühen Philosophen begannen dagegen versuchten das Feste mit höheren Prinzipien zu erklären.

Bei aller Einfachheit ist die Erde die mysteriöse Mutter allen Lebens; die Worte Materie und Mutter haben dieselbe Sprachwurzel. Die Erde ist der Staub aus dem wir geworden sind und zu dem wir zurückkehren, die Quelle aller Produktivität, allen Reichtums und Schönheit. Die westliche Mysterientradition identifiziert die Erde mit den Göttinnen Gaia und Demeter, der Herrin des Pflanzenwuchs und des materiellen Wohlstands. Es wurde offensichtlich, die Hälfte jener Sternzeichen mit der Erde zu identifizieren, die nach einer antiken geschlechtlichen Einteilung als weiblich galten.

Erde impliziert ebenfalls die unausweichlichen Einschränkungen der physischen Existenz, der Geburt in einen physischen Körper, von all denen mit transzendenten Aspirationen abgelehnt und dadurch von der Allianz der christlichen Tradition mit der aristotelischen Unterscheidung zwischen Geist und Materie enorm unterschätzt.
Der Körper und die Materie allgemein müssen bearbeitet, trainiert, in Reihen gepflanzt und in solide Strukturen gebildet werden. Aristoteles und die Stoiker nach ihm, die die traditionelle Astrologie hervorbrachten schematisierten die vier Elemente als eine vertikale Hierarchie mit der Erde zuunterst, dann Wasser, Luft und Feuer, die eine Werteskala darstellte. Die Kabbala hat dasselbe Schema mit der Erde zuunterst, dem Biest der Bürde und Bringer von Gütern, welches, wenn überbewertet zu Materialismus führt und wenn unterbewertet zu belastender Notwendigkeit und einkerkerndem Fleisch wird. Die bescheidene Erde wurde mit Saturn assoziiert, der einmal die große Mutter war und später als Vater Zeit zum Herrn der Vergangenheit und der Erinnerung wurde. Von allen Elementen bewahrt nur die ausdauernde Erde die Zeit in Gesteinsstratigraphien und Fossilien.

WASSER

Thales von Milet sah die Erde als auf dem Wasser schwimmend und schloss daraus dass alles aus dem Wasser kommt. Diese Sichtweise mag aus dem Babylonischen stammen, da dort die Wassergottheiten Apsu und Tiamat am Anfang aller Dinge standen. In der Geschichte um Eridu, baut Marduk ein Boot und auf dem Boot eine Hütte, welche dann die Erde darstellen. Im babylonischen Schöpfungsmythos erschafft Marduk Himmel und Erde aus dem wässrigen Körper von Tiamat. In Psalm 136 heißt es, dass Gott die Erde aus dem Wasser hob, während der Koran sagt, dass Wasser der Ursprung allen Lebens ist. Ein griechischer Mythos macht Okeanos und Tethis, zwei Wassergottheiten zu den aller ersten göttlichen Eltern.

Dieses Bild der Erde, die aus dem Wasser steigt evoziert das Bild des Lebens das aus dem Urozean and Land geht, des Babys in der mit Flüssigkeit gefüllten Gebärmutter, der jungschen Inseln des Bewusstseins aus dem Meer des Unbewussten. Es bezieht sich auf das schwach erinnerte Vergangene, als noch keine Trennung war und das am besten durch die Wasserzeichen, speziell dem Mondzeichen Krebs, dargestellt wird. Das Wasser tauft, wie eine zweite Geburt aus dem Mutterbauch und Wasser wäscht und rein.
Heraklit vergleicht das Leben mit einem Fluss, in dem wir nicht zweimal schwimmen können. Das Element Wasser evoziert am ehesten Unstetigkeit, Veränderung, Fluss und Instabilität. Verben erfassen seine Natur besser als Adjektive oder Substantive: fließen, trennen, vereinen, sprenkeln. Es ist empfindlich gegenüber der geringsten Bewegung. Das es essentiell chaotisch und formlos ist, wurde es vom ordentlichen Konfuzius am wenigsten geschätzt, dessen Genie darin lag Strukturen zu erkennen und zu beschreiben. Seine Macht und Eigenschaft das Auge zu täuschen verbindet das Wasser mit Bewusstseinszuständen der Verwirrung und der Neurosen.

Für Lao Tzu, dem mystischen Poeten und Philosophen des Tao, galt "das höchste Gut ist wie Wasser" da es inhaltslos, in den niedersten Orten zuhause ist, dem Weg des geringsten Widerstandes folgt, mühelos in jeden verfügbaren Raum fließt und sich dort niederlässt. Das Wasser könnte am ehesten die Rolle des niedersten Elements einnehmen, den es ist so tief wie die Tiefe selbst: Der Meeresspiegel ist das Niveau, von dem aus wir jede geographische Erhebung messen.

Obgleich es einige wenige männliche Wassergottheiten gibt, wird das Wasser und Feuchtigkeit meistens mit dem Femininen in Verbindung gebracht. Lao Tzus hohe Wertschätzung für das Wasser geht dahin, dass er uns rät "die Rolle das Weiblichen zu behalten". Wasser fließt nach unten, wie die Erde und beide Teilen sich die femininen, negativen oder Yingzeichen des Zodiaks. Traditionell sind der Mond und die Venus feucht.
Wie die Wasserzeichen und -häuser, hat auch das Wasser selbst immer Todesassoziationen. Heraklit sagt: "Es ist der Tod für die Seele, wie Wasser zu werden" und "Es ist Erleichterung, oder eher der Tod für die Seele, feucht zu werden."

FEUER

Diejenigen Elemente, die mit dem Himmel und den feurigen Sternen assoziiert werden, wurden schon immer mit dem Maskulinen verbunden. Der Sexismus solcher höher und niederer Unterscheidungen, der aus einem Wertesystem kommt, welches das Männliche dem Weiblichen vorzieht und Höhe als erstrebenswerter ansieht als Tiefe, hat im Grossen und Ganzen den Elementen Feuer und Luft immer einen höheren Stellenwert zugeschrieben.

Die meisten Beschreibungen des astrologischen Feuers betonen seine heizende und verbrennende Kraft: Passion und Erregbarkeit. Der feurige Typ wurde zum Choleriker Culpepper als "hastig, streitsüchtig und jähzornig" beschreibt. Doch Feuer ist auch Licht, eine Tatsache, die in unserer modernen Zeit des elektrischen Lichts oft vergessen geht. Culpepper beschreibt Eigenschaften, die eher Mars als Feuer beschreiben. Galen, auf dessen Theorien das System der Temperamente basiert, hatte eine andere Sicht. Für ihn besaß der cholerische Typus "Akkuratheit und Intelligenz".

Die Mythologie unterscheidet verschiedene Arten von Feuer, jedoch nicht unbedingt die Unterscheidung zwischen Licht und Hitze: das Feuer der Sonne und der Sterne und der Himmelsgötter, das Feuer das Prometheus stahl gegenüber dem Feuer unter der Erde, dem zerstörerischen Feuer des Hephaistos oder Vulcanus. Obwohl Hephaistos die Waffen der olympischen Götter auf seinem Amboss schmiedete, rangierte er nicht sehr hoch. Das Feuer des Mars scheint eher dieser zweiten Kategorie anzugehören. Mars oder Ares war der Sohn der Hera, eine Erdgöttin. Ares wurde als Racheakt empfangen gegen seinen himmlischen Vater Zeus ohne dessen Hilfe. Er entspringt der weiblichen Rage, den unteren Elementen.

Die sanfteren Konnotationen des Feuers, das Feuer, das die Stoiker an der Spitze ihrer vertikalen Hierarchie platzierten fand keine Gunst in der Renaissance. Lediglich die eher gewalttätigen und männlichen Charaktereigenschaften verblieben. Heraklit hatte eine sanfte Vision des Feuers, als er es als den Stoff bezeichnete aus dem die Welt bestand und meinte damit "das Reinste und Leuchtendste, das wie der ätherische und göttliche Blitz ist."

Eine alte griechische Tradition hielt den Äther, die feurige Substanz, die den Himmel erhellt in spezieller Verehrung und viele meinten, dass die Seelen aus demselben Material, dem göttlichen, himmlischen Feuer, bestanden. Die Babylonier hatten einen ähnlichen Glauben. Ein toter Körper ist kalt, weil ihn dieses Feuer verlassen hat und zu den Sternen zurückgekehrt ist.

Wenn Feuer für Kreativität steht, dann bestärkt das der Diebstahl des Feuers durch Prometheus diesen in seiner Rolle als Erschaffer des Menschen aus Lehm: Er hatte die Macht zu animieren, das Leben und die Seele zu erschaffen. Sein Geschenk des Feuers and den Menschen gab diesem auch die Macht der Kreativität. Gott, der biblische Schöpfer, nimmt ebenfalls feurige Form an: Er erscheint als brennender Busch (Exodus III, 2-3) und steigt als Feuer vom Himmel herab um sein Opfer aus dem neuen Tempel zu holen. (2 Chroniken VII, 1).

Zeus schleudert feurige Blitze vom Himmel und als Semele Zeus bittet ihn in seiner wahren Gestalt zu sehen verbrennt sie dieser Anblick zu Asche. Mars, Sol, und Jupiter sind alle feurig, wobei letztere mehr führ ihr Licht als ihre Hitze bekannt sind. Licht bedeutet auch Bewusstsein, wofür Sol und Jupiter ebenfalls stehen.

Feuer steht noch am ehesten für das, was wir Energie nennen, eine pulsierende physische Kraft und animalistischer Geist und der Ursprung göttlicher Prinzipien.

LUFT

Luft suggeriert das Prinzip von Höhe. Astrologische Luft sieht aus der Höhe auf die Dinge, losgelöst und ganz im Kontrast zur persönlichen und tief involvierten Sichtweise des Wassers sieht sie die Dinge in Perspektive mit Klarheit und ganz scharf. Sie ermöglicht, verbunden mit der Rolle des Jupiter, eine weit gefächerte Übersicht und bietet eine gewisse Freiheit. Aus dem Losgelösten kann abstraktes Denken hervorgehen, das rein auf Ideen basiert.

Wenn Anaximedes erklärte, die Luft sei unendlich und göttlich, das Prinzip von welchem alles begann, dann meint er wohl Luft in ihrer Konnotation als "Atem der Welt". Luft teilt mit dem Feuer Deutungen als Seele und Unsterblichkeit. Der griechische Geist Pneuma, und Seele Psyche sowie das lateinische Spiritus und Anima bedeuten etymologisch Atem.

Das Wort Pneuma wird auch gebraucht, um im Neuen Testament den Heiligen Geist zu bezeichnen, der auf den Schwingen einer Taube durch die Luft herniedersteigt. Ähnlich wie im Sanskrit Prana und im chinesischen Chi impliziert es die lebensspendende und lebenserhaltende Kraft, die durch den Atem den Körper durchdringt. Prometheus atmet das Leben in seinen Menschen aus Lehm und Staub. Künstler portraitieren die Seele oft auch als Schmetterling (im Griechischen bedeutet Psyche auch Schmetterling), der die Lippen einer sterbenden Person verlässt.

Galen wies dem sanguinen oder luftigen Typus die Eigenschaft "Einfachheit grenzend an Narrheit" zu. Jedoch nahm der luftige Typus später höhere Qualitäten an. Im 12. Jahrhundert identifizierte William of Conches die Luft als das Element, das zum Menschen gehört und somit die Menschheit vom Tier unterscheidet, das nur aus Feuer, Wasser und Erde besteht.

Tiere haben jedoch damals wie heute geatmet, entbehrten jedoch einer Seele. William glaubte, dass alle Menschen von Anfang an mit dem gesegneten sanguinen Temperament erschaffen worden sind. Er meinte, dass die Tatsache, dass die Menschen alles andere als sanguine Temperamente zur Schau trugen, dies den degenerierten Zustand der Menschheit widerspiegle. Obgleich Zwillinge, Waage und Wassermann nicht fix der Lufttriplizität zugeordnet waren, wurden sie jedoch mit dem Abbild des Menschen oder einem von Menschen hergestellten Objekt dargestellt. Zu Williams Tagen hatte die sanguine oder luftige Person, die von guter Gesinnung, gut aussehend und näher dem Guten war, immer den Segen des Jupiter.

Die Alchimie implizierte auf ähnliche Art die Überlegenheit der Luft, indem sie diese mit der vierten und letzten, der reinsten der Operationen des Opus Magnum, des großen Werkes, der Sublimation, der heiligen Hochzeit oder ultima conjunctio in Verbindung brachte. Psychologisch korrespondiert die Sublimation mit der Macht der abstrakten Absicht und Meinung der konkreten Realität und mit der Erfahrung der freudigen Erlösung und des Glückes.

Eine praktische Erklärung dieser Überhöhung des luftigen Typus liegt in der Lehre der vier Launen, wie sie in den hippokratischen Schriften zu finden ist. Hippokrates, der große Arzt des 6. Jahrhunderts v. Chr., identifizierte vier grundlegende Launen oder Körpersäfte. Darin waren der gelbe, schwarze und phlegmatische Gemütszustand eher "zusätzliche Launen", wohingegen das Blut als eine Vitale Substanz darstellte. Hippokrates hatte bereits begonnen physiologische Charakteristika mit psychologischen und moralischen zu verbinden. Es war jedoch Galen, im 2. Jh. v. Chr., der "mehr als jemand anders den direkten Zusammenhang zwischen körperlicher Konstitution und dem Charakter betonte".

Aus Galens Werk wurde das System der Temperamente entwickelt, das die arabische Kultur durchlief um dann im Europa des Mittelalter wieder aufzutauchen, um für lange Zeit wesentlich für die Medizin und klinische Psychologie zu werden. In jedem Temperament dominierte ein Saft, im sanguinen Typus war dies das Blut. Krankheiten resultierten aus ihrem ernsten Ungleichgewicht, und jeder der Säfte hatte seine Jahreszeit. Ein individuelles Leiden an einem Blutexzess wurde mit Blutegeln behandelt.

Die vier Elemente, so Empedokles, formten die Konstitution des Menschen und wurden von einem seiner Nachfolger, Philistion, mit vier Qualitäten identifiziert. Später dann wurden diese ein wenig verändert und Feuer wurde als heiß und trocken, Wasser als kalt und feucht, Luft als heiß und feucht und Erde als kalt und trocken definiert. Zu Galens Tagen waren diese Elemente bereits eine Verbindung mit den vier Säften eingegangen. (siehe Abb. 1). Zu einem unbekannten Zeitpunkt kamen die Planeten ebenfalls in diese Scham.

Ebenso wie Feuer und Wasser um den Stolz des ersten Ranges konkurrierten, wobei im späten Mittelalter die Luft gewann, so stritten sich Wasser und Erde um den untersten Rang, "so dass in Illustrationen des 15. und 16. Jahrhunderts das Portrait des Melancholikers of mit dem des Phlegmatikers den Platz tauschte, und so einmal der eine und ein andermal der andere den dritten Rang einnahm." Die Unterscheidung jedoch zwischen männlich und weiblich blieb bis heute unverändert.

DIE VIER ELEMENTE

Die Pythagoräer verehrten die Zahl 4 sehr. Die Figur der Zahl selbst formt beinahe ein Kreuz und das Kreuz oder Quadrat repräsentiert auf natürliche Weise die Vierheit. Das Quadrat und das Kreuz sind Gebilde des Verstandes, i.e. es gibt eigentlich keine geraden Linien in der Natur, da wir in und auf einer sphärischen Welt leben. Wir Leben im Kreis unseres Horizonts, dem wir die vier Punkte der Himmelsrichtungen aufzwingen, um uns zu orientieren. Zwei Paare von Gegensätzen machen die Vierheit. Das Quadrat oder Kreuz im Kreis bilden ein Mandala und solche Figuren scheinen einen universalen Charakter zu besitzen. Das Kreuz des Materiellen und der Kreis des Unendlichen welche zusammen die Symbole unserer Planeten formen.

Vierergruppen erscheinen in vielen Formen: die vier Farben des Tarot, die vier apokalyptischen Reiter, die vier Evangelisten, die vier Kardinaltugenden, die vier Buchstaben des Namens Gottes', des Tetragrammatons.

Platon, scheinbar unter dem Einfluss von Pythagoras, verband die Zahl mit der Realisation der Idee, welche durch die Zahl drei versinnbildlicht wurde. In der Lehre der astrologischen Harmonien hat David Hamblin die vierte Harmonie als dem Prinzip der Manifestation ähnlich bezeichnet. Komplett und stabil symbolisiert das Mandala des Quadrates im Kreis Ganzheit und gleichgewichtige Spannung zwischen Gegensätzen.

Liz Greene zeigt eine Analogie zwischen Jungs vier typologischen Funktionen des Bewusstseins: "Denken, Fühlen, Wahrnehmung und Intuition" und den vier Elementen auf. Die Gegensätze sind in diesem Fall in der Natur wesentliche ausgeprägter als in der traditionellen Lehre, wo die Verbindung zwischen Elementen und Qualitäten die Luft seltsamerweise als warm und feucht bezeichnet wird. Die trifft auf die Luft als Fortsetzung des Atems zu, da das Klima zu dieser Zeit wohl kaum einen konstanten warmen und feuchten Luftzug aufwies.

Die Verbindung der Luft mit dem Denken erklärt weiterhin, warum sie hier im Westen so überbewertet wird. Doch sowohl im Westen als auch in der hinduistischen Tradition herrscht eine Tendenz, den Geist oder das Pneuma mit dem Intellekt zu verwechseln.

  1. R. Klibansky, E. Panofsky and F. Saxl, Saturn and Melancholy, Nelson, 1964, p.10.
  2. G.S. Kirk, J.E. Raven, M. Schofield. The Presocratic Philosophers. Cambridge University Press, (2nd ed.) p. 89 ff.
  3. Lao Tzu. Tao te Ching. Trans. D.C. Lau. Penguin, 1963 p. 64.
  4. Lao Tzu. Op. Cit p. 85.

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