Zahllose Bücher über Astrologie und Metaphysik hinterlassen
den Eindruck, dass die 4 Elemente von fundamentalerer Natur sind
als die zwölf Sternzeichen, da diese in vier Gruppen unterteilt
werden können, die sich den Elementen zuordnen lassen. Die
Identifikation der Triplizitäten des Zodiaks mit den Elementen
ist jedoch relativ neu: Die zwölf Sternzeichen des Zodiaks
existierten jedoch bereits seit 1'500 Jahren, bevor die Zeichen
Widder, Löwe und Schütze zu Feuerzeichen erklärt
wurden.
Ptolemaios macht keinerlei Angaben über die Elemente in
seinem Werk zur Astrologie, zwar spricht er von Trigonen, oder
Triplizitäten, er macht jedoch keinerlei Andeutungen, ob
diese den 4 Elementen zugeordnet werden. Er beschreibt die Planeten,
bzw. deren Qualitäten mit den Attributen heiß, kalt,
feucht und trocken. Der Planet Mars zum Beispiel ist heiß
und trocken, was im System der traditionellen Korrelationen (siehe
Abb. 1) mit dem Element Feuer übereinstimmen würde.
Manilius und später auch Fimmicus nehmen zu den Elementen
in philosophischer Weise Bezug und beschreiben sie als die fundamentalen
Komponenten der Welt und der Menschheit, verbinden sie jedoch
nicht mit astrologischen Faktoren.
Die Verbindung zwischen den vier Elementen und der Astrologie
beginnt mit den vier Launen der hippokratischen Medizin. Die hippokratischen
Schriften aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert beziehen die
vier Launen bereits zu den vier Qualitäten (siehe Abb. 1).
Zur Zeit Ptolemaios oder kurz danach wurden die vier Launen mit
den vier Elementen in Verbindung gebracht.
Zur Zeit des Mittelalters wurden die Planeten in Beziehung zu
den Elementen gebracht, die erste Referenz zu feurigen, wässrigen,
luftigen und irdischen Sternzeichen machte jedoch Nostradamus
in seinem Werk. Daher mögen die Verbindungen der Sternzeichen
mit den vier Elementen aus der Renaissance stammen. Eine deutsche
Quelle aus dem Jahre 1495 beschreibt die Zeichen Stier, Widder
und Jungfrau als Erdzeichen. Venus und Jupiter werden hier als
Wasser- bzw. Luftplanet beschrieben, obgleich keiner dieser beiden
Planeten ein Sternzeichen regiert, welches einem dieser Elemente
zugeordnet wird.
Die Quellen machen verschiedene Aussagen über die
Zuordnung von feurig, wässrig, luftig und irdisch.
Abb. 1. Die Launen und Gründe im Verhältnis
zu den Qualitäten, wie sie im Corpus Hippocraticum (3. Jh.
v. Chr.) und die Elemente und Planeten, die ihnen später
zugeordnet wurden.
Die Annahme, dass das Universum aus vier Elementen besteht ist
in keinem Fall universal. Jedoch spielen die vier Elemente eine
bedeutende Rolle sowohl in Indien als auch in Europa, wohin sie
via Griechenland, Rom und Arabien kamen. Ob diese Lehre nun von
Westen nach Osten oder von Osten nach Westen wanderte oder vom
späten Babylonien aus in beide Richtungen zog, ist nicht
sicher, sicher ist nur, dass sie in der bekannten mesopotamischen
Mythologie nicht vorkommen.
Das chinesische System besitzt fünf, manchmal sechs Elemente,
wobei die Luft fehlt jedoch Holz und Metall dazukommen. Anderswo
transzendiert und vereint oder gebiert ein fünftes Element
die üblichen vier. Im Hinduismus wird es Äther bei den
Alchimisten Quintessenz genannt. In China rangieren alle Elemente
gleich hoch. Der Orient benutzt einen subtileren fünfteiligen
Rahmen im Gegensatz zu dem vierteiligen, der vom Orient aus eindeutig
westlich ist. Vierteilige Einheiten, wie die vier Himmelsrichtungen
sind auf der ganzen Welt bekannt die westlichen vier Elemente
oder Wurzeln der westlichen Weltanschauung, wie sie Empedokles
nannte, jedoch nicht.
Die Elemente boten, sowohl individuell, als auch kollektiv, eine
fruchtbare Quelle für Metaphern. Die Mythologie besitzt viele
elementare Figuren, wie die wässrigen Gottheiten Okeanos
oder Thetis. Das klassische griechische Pantheon entstand ursprünglich
aus der Hochzeit zwischen Himmel und Erde, Uranos und Gaia. Zeus
beherrschte den Himmel, Poseidon das Meer und Hades die Tiefen
der Erde. Die sumerische Triade Anu, Enlil und Ea oder Enki beherrschten
genauso Himmel, Erde und Wasser. Marduck in Babylon und Hephaistos,
der griechische Gott des Vulkans, und der persische Ahura Mazda
sind alle drei Feuergötter. Die Vergöttlichung der physischen
Elemente beinhalten die Lebensprinzipien, die die Elemente selbst
repräsentieren.
Die vorsokratischen Philosophen Griechenlands im 6. Jh. v. Chr.
versuchten die Welt wie sie ist zu definieren, wobei die noch
früheren mythologischen Konnotationen in ihren Theorien zu
finden sind und dort beinahe religiöses Staunen auslöst.
Durch das Herausfiltern eines Elementes, das die anderen hervorbrachte,
unternahmen einige dieser Philosophen wohl eine Reise in ihre
eigene Psyche. Im zweiten Teil von Göthes Faust, der hauptsächlich
im antiken Griechenland situiert ist, debattieren die Philosophen
Thales von Milet und Anaxagoras die relative Macht von Wasser
und Feuer. Göthe selbst bevorzugt in seinem Buch Thales'
nicht gewalttätiges Wasser und Anaxagoras muss sich mit seinem
eher gewaltsamen Feuer, welches Vulkanausbrüche liebt, geschlagen
geben. Göthes eigenes Horoskop zeigt nicht weniger als fünf
Planeten und den Aszendenten im Element Wasser.
Die erste Erwähnung der vier Elemente im Westen findet sich
bei den Pythagoräern. Pythagoras hinterließ keinerlei
Schriften und sekundäre Quellen seines Lebens und seiner
Lehren von späteren Autoren werden oft geschmäht. Der
im mentalen Klima des 6. vorchristlichen Jahrhunderts lebende
Pythagoras hat, wie es heißt, in Babylon studiert, wo die
Lehre der vier Elemente möglicherweise herkommt. Die pythagoräische
Welt bestand aus vier Elementen, vier Jahreszeiten, wobei das
Leben in vier Stadien unterteilt war. Im folgenden Jahrhundert
lehrte als erster Empedokles, dass auch der Mensch genauso aus
denselben vier Elementen bestehe. Die Elemente existieren demnach
sowohl im Innern als auch in der äußeren Welt und wurden
später mit Systeme überführt, welche die Konzepte
von heiß, kalt, trocken und feucht mit den hippokratischen
Launen verband.

ERDE
Die physische Erde unter unseren Füssen ist offensichtlich,
wie Dr. Johnson demonstrierte, als er, wütend über Bishop
Berkeleys Beweis der Nicht-Existenz der Materie mit den Worten:
"I refute it thus!" gegen einen Stein trat! Die Erde
stellt in allgemeiner Übereinstimmung harte Fakten dar. Das
übliche Bild Buddhas, welches ihn, sehr im Zeichen des Stiers,
auf der Erde sitzend, mit einer Hand dieselbe berührend,
diese als Zeugen der Echtheit seiner Erfahrung anruft, und die
als Zeichen zu beben beginnt.
Erde impliziert Wortwörtlichkeit, wie dies der jungsche
Psychoanalytiker James Hillman einmal bemerkte, indem er sagte,
dass Menschen die "den Kontakt mit der Erde" verloren
haben zum Graben in der Erde angeregt werden. Wir geben jedoch
Menschen mit einem Mangel an Luft nicht den Rat, in einem Flugzeug
herumzufliegen. Luft ist subtiler als Erde. Der griechische Philosoph
Thales machte das Wasser zum Herrscher der Elemente, Anaximedes
und, wie Göthe behauptet, auch Heraklit, die Luft und Anaxagoras
das Feuer. Niemand sah die Erde als das erste oder fundamentales
Element. Dies blieb den Alchimisten vorbehalten, die die Erde
zu ihrer primären Metapher machten indem sie mit der Prima
Materia anfingen und dem Stein der Weisen aufhörten. Die
frühen Philosophen begannen dagegen versuchten das Feste
mit höheren Prinzipien zu erklären.
Bei aller Einfachheit ist die Erde die mysteriöse Mutter
allen Lebens; die Worte Materie und Mutter haben dieselbe Sprachwurzel.
Die Erde ist der Staub aus dem wir geworden sind und zu dem wir
zurückkehren, die Quelle aller Produktivität, allen
Reichtums und Schönheit. Die westliche Mysterientradition
identifiziert die Erde mit den Göttinnen Gaia und Demeter,
der Herrin des Pflanzenwuchs und des materiellen Wohlstands. Es
wurde offensichtlich, die Hälfte jener Sternzeichen mit der
Erde zu identifizieren, die nach einer antiken geschlechtlichen
Einteilung als weiblich galten.
Erde impliziert ebenfalls die unausweichlichen Einschränkungen
der physischen Existenz, der Geburt in einen physischen Körper,
von all denen mit transzendenten Aspirationen abgelehnt und dadurch
von der Allianz der christlichen Tradition mit der aristotelischen
Unterscheidung zwischen Geist und Materie enorm unterschätzt.
Der Körper und die Materie allgemein müssen bearbeitet,
trainiert, in Reihen gepflanzt und in solide Strukturen gebildet
werden. Aristoteles und die Stoiker nach ihm, die die traditionelle
Astrologie hervorbrachten schematisierten die vier Elemente als
eine vertikale Hierarchie mit der Erde zuunterst, dann Wasser,
Luft und Feuer, die eine Werteskala darstellte. Die Kabbala hat
dasselbe Schema mit der Erde zuunterst, dem Biest der Bürde
und Bringer von Gütern, welches, wenn überbewertet zu
Materialismus führt und wenn unterbewertet zu belastender
Notwendigkeit und einkerkerndem Fleisch wird. Die bescheidene
Erde wurde mit Saturn assoziiert, der einmal die große Mutter
war und später als Vater Zeit zum Herrn der Vergangenheit
und der Erinnerung wurde. Von allen Elementen bewahrt nur die
ausdauernde Erde die Zeit in Gesteinsstratigraphien und Fossilien.

WASSER
Thales von Milet sah die Erde als auf dem Wasser schwimmend und
schloss daraus dass alles aus dem Wasser kommt. Diese Sichtweise
mag aus dem Babylonischen stammen, da dort die Wassergottheiten
Apsu und Tiamat am Anfang aller Dinge standen. In der Geschichte
um Eridu, baut Marduk ein Boot und auf dem Boot eine Hütte,
welche dann die Erde darstellen. Im babylonischen Schöpfungsmythos
erschafft Marduk Himmel und Erde aus dem wässrigen Körper
von Tiamat. In Psalm 136 heißt es, dass Gott die Erde aus
dem Wasser hob, während der Koran sagt, dass Wasser der Ursprung
allen Lebens ist. Ein griechischer Mythos macht Okeanos und Tethis,
zwei Wassergottheiten zu den aller ersten göttlichen Eltern.
Dieses Bild der Erde, die aus dem Wasser steigt evoziert das
Bild des Lebens das aus dem Urozean and Land geht, des Babys in
der mit Flüssigkeit gefüllten Gebärmutter, der
jungschen Inseln des Bewusstseins aus dem Meer des Unbewussten.
Es bezieht sich auf das schwach erinnerte Vergangene, als noch
keine Trennung war und das am besten durch die Wasserzeichen,
speziell dem Mondzeichen Krebs, dargestellt wird. Das Wasser tauft,
wie eine zweite Geburt aus dem Mutterbauch und Wasser wäscht
und rein.
Heraklit vergleicht das Leben mit einem Fluss, in dem wir nicht
zweimal schwimmen können. Das Element Wasser evoziert am
ehesten Unstetigkeit, Veränderung, Fluss und Instabilität.
Verben erfassen seine Natur besser als Adjektive oder Substantive:
fließen, trennen, vereinen, sprenkeln. Es ist empfindlich
gegenüber der geringsten Bewegung. Das es essentiell chaotisch
und formlos ist, wurde es vom ordentlichen Konfuzius am wenigsten
geschätzt, dessen Genie darin lag Strukturen zu erkennen
und zu beschreiben. Seine Macht und Eigenschaft das Auge zu täuschen
verbindet das Wasser mit Bewusstseinszuständen der Verwirrung
und der Neurosen.
Für Lao Tzu, dem mystischen Poeten und Philosophen des Tao,
galt "das höchste Gut ist wie Wasser" da es inhaltslos,
in den niedersten Orten zuhause ist, dem Weg des geringsten Widerstandes
folgt, mühelos in jeden verfügbaren Raum fließt
und sich dort niederlässt. Das Wasser könnte am ehesten
die Rolle des niedersten Elements einnehmen, den es ist so tief
wie die Tiefe selbst: Der Meeresspiegel ist das Niveau, von dem
aus wir jede geographische Erhebung messen.
Obgleich es einige wenige männliche Wassergottheiten gibt,
wird das Wasser und Feuchtigkeit meistens mit dem Femininen in
Verbindung gebracht. Lao Tzus hohe Wertschätzung für
das Wasser geht dahin, dass er uns rät "die Rolle das
Weiblichen zu behalten". Wasser fließt nach unten,
wie die Erde und beide Teilen sich die femininen, negativen oder
Yingzeichen des Zodiaks. Traditionell sind der Mond und die Venus
feucht.
Wie die Wasserzeichen und -häuser, hat auch das Wasser selbst
immer Todesassoziationen. Heraklit sagt: "Es ist der Tod
für die Seele, wie Wasser zu werden" und "Es ist
Erleichterung, oder eher der Tod für die Seele, feucht zu
werden."

FEUER
Diejenigen Elemente, die mit dem Himmel und den feurigen Sternen
assoziiert werden, wurden schon immer mit dem Maskulinen verbunden.
Der Sexismus solcher höher und niederer Unterscheidungen,
der aus einem Wertesystem kommt, welches das Männliche dem
Weiblichen vorzieht und Höhe als erstrebenswerter ansieht
als Tiefe, hat im Grossen und Ganzen den Elementen Feuer und Luft
immer einen höheren Stellenwert zugeschrieben.
Die meisten Beschreibungen des astrologischen Feuers betonen
seine heizende und verbrennende Kraft: Passion und Erregbarkeit.
Der feurige Typ wurde zum Choleriker Culpepper als "hastig,
streitsüchtig und jähzornig" beschreibt. Doch Feuer
ist auch Licht, eine Tatsache, die in unserer modernen Zeit des
elektrischen Lichts oft vergessen geht. Culpepper beschreibt Eigenschaften,
die eher Mars als Feuer beschreiben. Galen, auf dessen Theorien
das System der Temperamente basiert, hatte eine andere Sicht.
Für ihn besaß der cholerische Typus "Akkuratheit
und Intelligenz".
Die Mythologie unterscheidet verschiedene Arten von Feuer, jedoch
nicht unbedingt die Unterscheidung zwischen Licht und Hitze: das
Feuer der Sonne und der Sterne und der Himmelsgötter, das
Feuer das Prometheus stahl gegenüber dem Feuer unter der
Erde, dem zerstörerischen Feuer des Hephaistos oder Vulcanus.
Obwohl Hephaistos die Waffen der olympischen Götter auf seinem
Amboss schmiedete, rangierte er nicht sehr hoch. Das Feuer des
Mars scheint eher dieser zweiten Kategorie anzugehören. Mars
oder Ares war der Sohn der Hera, eine Erdgöttin. Ares wurde
als Racheakt empfangen gegen seinen himmlischen Vater Zeus ohne
dessen Hilfe. Er entspringt der weiblichen Rage, den unteren Elementen.
Die sanfteren Konnotationen des Feuers, das Feuer, das die Stoiker
an der Spitze ihrer vertikalen Hierarchie platzierten fand keine
Gunst in der Renaissance. Lediglich die eher gewalttätigen
und männlichen Charaktereigenschaften verblieben. Heraklit
hatte eine sanfte Vision des Feuers, als er es als den Stoff bezeichnete
aus dem die Welt bestand und meinte damit "das Reinste und
Leuchtendste, das wie der ätherische und göttliche Blitz
ist."
Eine alte griechische Tradition hielt den Äther, die feurige
Substanz, die den Himmel erhellt in spezieller Verehrung und viele
meinten, dass die Seelen aus demselben Material, dem göttlichen,
himmlischen Feuer, bestanden. Die Babylonier hatten einen ähnlichen
Glauben. Ein toter Körper ist kalt, weil ihn dieses Feuer
verlassen hat und zu den Sternen zurückgekehrt ist.
Wenn Feuer für Kreativität steht, dann bestärkt
das der Diebstahl des Feuers durch Prometheus diesen in seiner
Rolle als Erschaffer des Menschen aus Lehm: Er hatte die Macht
zu animieren, das Leben und die Seele zu erschaffen. Sein Geschenk
des Feuers and den Menschen gab diesem auch die Macht der Kreativität.
Gott, der biblische Schöpfer, nimmt ebenfalls feurige Form
an: Er erscheint als brennender Busch (Exodus III, 2-3) und steigt
als Feuer vom Himmel herab um sein Opfer aus dem neuen Tempel
zu holen. (2 Chroniken VII, 1).
Zeus schleudert feurige Blitze vom Himmel und als Semele Zeus
bittet ihn in seiner wahren Gestalt zu sehen verbrennt sie dieser
Anblick zu Asche. Mars, Sol, und Jupiter sind alle feurig, wobei
letztere mehr führ ihr Licht als ihre Hitze bekannt sind.
Licht bedeutet auch Bewusstsein, wofür Sol und Jupiter ebenfalls
stehen.
Feuer steht noch am ehesten für das, was wir Energie nennen,
eine pulsierende physische Kraft und animalistischer Geist und
der Ursprung göttlicher Prinzipien.

LUFT
Luft suggeriert das Prinzip von Höhe. Astrologische Luft
sieht aus der Höhe auf die Dinge, losgelöst und ganz
im Kontrast zur persönlichen und tief involvierten Sichtweise
des Wassers sieht sie die Dinge in Perspektive mit Klarheit und
ganz scharf. Sie ermöglicht, verbunden mit der Rolle des
Jupiter, eine weit gefächerte Übersicht und bietet eine
gewisse Freiheit. Aus dem Losgelösten kann abstraktes Denken
hervorgehen, das rein auf Ideen basiert.
Wenn Anaximedes erklärte, die Luft sei unendlich und göttlich,
das Prinzip von welchem alles begann, dann meint er wohl Luft
in ihrer Konnotation als "Atem der Welt". Luft teilt
mit dem Feuer Deutungen als Seele und Unsterblichkeit. Der griechische
Geist Pneuma, und Seele Psyche sowie das lateinische Spiritus
und Anima bedeuten etymologisch Atem.
Das Wort Pneuma wird auch gebraucht, um im Neuen Testament den
Heiligen Geist zu bezeichnen, der auf den Schwingen einer Taube
durch die Luft herniedersteigt. Ähnlich wie im Sanskrit Prana
und im chinesischen Chi impliziert es die lebensspendende und
lebenserhaltende Kraft, die durch den Atem den Körper durchdringt.
Prometheus atmet das Leben in seinen Menschen aus Lehm und Staub.
Künstler portraitieren die Seele oft auch als Schmetterling
(im Griechischen bedeutet Psyche auch Schmetterling), der die
Lippen einer sterbenden Person verlässt.
Galen wies dem sanguinen oder luftigen Typus die Eigenschaft
"Einfachheit grenzend an Narrheit" zu. Jedoch nahm der
luftige Typus später höhere Qualitäten an. Im 12.
Jahrhundert identifizierte William of Conches die Luft als das
Element, das zum Menschen gehört und somit die Menschheit
vom Tier unterscheidet, das nur aus Feuer, Wasser und Erde besteht.
Tiere haben jedoch damals wie heute geatmet, entbehrten jedoch
einer Seele. William glaubte, dass alle Menschen von Anfang an
mit dem gesegneten sanguinen Temperament erschaffen worden sind.
Er meinte, dass die Tatsache, dass die Menschen alles andere als
sanguine Temperamente zur Schau trugen, dies den degenerierten
Zustand der Menschheit widerspiegle. Obgleich Zwillinge, Waage
und Wassermann nicht fix der Lufttriplizität zugeordnet waren,
wurden sie jedoch mit dem Abbild des Menschen oder einem von Menschen
hergestellten Objekt dargestellt. Zu Williams Tagen hatte die
sanguine oder luftige Person, die von guter Gesinnung, gut aussehend
und näher dem Guten war, immer den Segen des Jupiter.
Die Alchimie implizierte auf ähnliche Art die Überlegenheit
der Luft, indem sie diese mit der vierten und letzten, der reinsten
der Operationen des Opus Magnum, des großen Werkes, der
Sublimation, der heiligen Hochzeit oder ultima conjunctio in Verbindung
brachte. Psychologisch korrespondiert die Sublimation mit der
Macht der abstrakten Absicht und Meinung der konkreten Realität
und mit der Erfahrung der freudigen Erlösung und des Glückes.
Eine praktische Erklärung dieser Überhöhung des
luftigen Typus liegt in der Lehre der vier Launen, wie sie in
den hippokratischen Schriften zu finden ist. Hippokrates, der
große Arzt des 6. Jahrhunderts v. Chr., identifizierte vier
grundlegende Launen oder Körpersäfte. Darin waren der
gelbe, schwarze und phlegmatische Gemütszustand eher "zusätzliche
Launen", wohingegen das Blut als eine Vitale Substanz darstellte.
Hippokrates hatte bereits begonnen physiologische Charakteristika
mit psychologischen und moralischen zu verbinden. Es war jedoch
Galen, im 2. Jh. v. Chr., der "mehr als jemand anders den
direkten Zusammenhang zwischen körperlicher Konstitution
und dem Charakter betonte".
Aus Galens Werk wurde das System der Temperamente entwickelt,
das die arabische Kultur durchlief um dann im Europa des Mittelalter
wieder aufzutauchen, um für lange Zeit wesentlich für
die Medizin und klinische Psychologie zu werden. In jedem Temperament
dominierte ein Saft, im sanguinen Typus war dies das Blut. Krankheiten
resultierten aus ihrem ernsten Ungleichgewicht, und jeder der
Säfte hatte seine Jahreszeit. Ein individuelles Leiden an
einem Blutexzess wurde mit Blutegeln behandelt.
Die vier Elemente, so Empedokles, formten die Konstitution des
Menschen und wurden von einem seiner Nachfolger, Philistion, mit
vier Qualitäten identifiziert. Später dann wurden diese
ein wenig verändert und Feuer wurde als heiß und trocken,
Wasser als kalt und feucht, Luft als heiß und feucht und
Erde als kalt und trocken definiert. Zu Galens Tagen waren diese
Elemente bereits eine Verbindung mit den vier Säften eingegangen.
(siehe Abb. 1). Zu einem unbekannten Zeitpunkt kamen die Planeten
ebenfalls in diese Scham.
Ebenso wie Feuer und Wasser um den Stolz des ersten Ranges konkurrierten,
wobei im späten Mittelalter die Luft gewann, so stritten
sich Wasser und Erde um den untersten Rang, "so dass in Illustrationen
des 15. und 16. Jahrhunderts das Portrait des Melancholikers of
mit dem des Phlegmatikers den Platz tauschte, und so einmal der
eine und ein andermal der andere den dritten Rang einnahm."
Die Unterscheidung jedoch zwischen männlich und weiblich
blieb bis heute unverändert.

DIE VIER ELEMENTE
Die Pythagoräer verehrten die Zahl 4 sehr. Die Figur der
Zahl selbst formt beinahe ein Kreuz und das Kreuz oder Quadrat
repräsentiert auf natürliche Weise die Vierheit. Das
Quadrat und das Kreuz sind Gebilde des Verstandes, i.e. es gibt
eigentlich keine geraden Linien in der Natur, da wir in und auf
einer sphärischen Welt leben. Wir Leben im Kreis unseres
Horizonts, dem wir die vier Punkte der Himmelsrichtungen aufzwingen,
um uns zu orientieren. Zwei Paare von Gegensätzen machen
die Vierheit. Das Quadrat oder Kreuz im Kreis bilden ein Mandala
und solche Figuren scheinen einen universalen Charakter zu besitzen.
Das Kreuz des Materiellen und der Kreis des Unendlichen welche
zusammen die Symbole unserer Planeten formen.
Vierergruppen erscheinen in vielen Formen: die vier Farben des
Tarot, die vier apokalyptischen Reiter, die vier Evangelisten,
die vier Kardinaltugenden, die vier Buchstaben des Namens Gottes',
des Tetragrammatons.
Platon, scheinbar unter dem Einfluss von Pythagoras, verband
die Zahl mit der Realisation der Idee, welche durch die Zahl drei
versinnbildlicht wurde. In der Lehre der astrologischen Harmonien
hat David Hamblin die vierte Harmonie als dem Prinzip der Manifestation
ähnlich bezeichnet. Komplett und stabil symbolisiert das
Mandala des Quadrates im Kreis Ganzheit und gleichgewichtige Spannung
zwischen Gegensätzen.
Liz Greene zeigt eine Analogie zwischen Jungs vier typologischen
Funktionen des Bewusstseins: "Denken, Fühlen, Wahrnehmung
und Intuition" und den vier Elementen auf. Die Gegensätze
sind in diesem Fall in der Natur wesentliche ausgeprägter
als in der traditionellen Lehre, wo die Verbindung zwischen Elementen
und Qualitäten die Luft seltsamerweise als warm und feucht
bezeichnet wird. Die trifft auf die Luft als Fortsetzung des Atems
zu, da das Klima zu dieser Zeit wohl kaum einen konstanten warmen
und feuchten Luftzug aufwies.
Die Verbindung der Luft mit dem Denken erklärt weiterhin,
warum sie hier im Westen so überbewertet wird. Doch sowohl
im Westen als auch in der hinduistischen Tradition herrscht eine
Tendenz, den Geist oder das Pneuma mit dem Intellekt zu verwechseln.
- R. Klibansky, E. Panofsky and F. Saxl, Saturn and Melancholy,
Nelson, 1964, p.10.
- G.S. Kirk, J.E. Raven, M. Schofield. The Presocratic Philosophers.
Cambridge University Press, (2nd ed.) p. 89 ff.
- Lao Tzu. Tao te Ching. Trans. D.C. Lau. Penguin, 1963 p. 64.
- Lao Tzu. Op. Cit p. 85.