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Von J. W. Brodie-Innes

Im November des letzten Jahres, fast unbemerkt durch die Öffentlichkeit, ist in Paris einen sehr bemerkenswerter Mann von uns gegangen. Was war er - ein großer Adept - ein großer Gelehrter - ein großer Betrüger - ein großer Gauner? Ich habe sicher alle Meinungen über ihn bereits gehört. Bis hin zu so unvereinbaren Aussagen, das man ihn im selben Zuge wie Cagliostro genannt hat. Ich kannte ihn gut; und möglicherweise kann eine so nahe Freundschaft, die gut dreißig Jahre gedauert hat, es mir erlauben einige persönliche Erinnerungen darzulegen, die zu einem besseren Verständnis einer interessantesten Persönlichkeit helfen können.

Als ich ihm zum ersten Mal begegnete, war er für das Museum Horniman bei Norwood verantwortlich, und die unvereinbaren Aussagen, die ich über ihn hörte, steigerten meine scharfe Neugier. Einige hervorragende Archäologen erklärten mir, dass es, auf Grund seiner wundersamen Gelehrtheit in den seltsamen Nebenpfaden des Wissens, keinen Mann in Großbritannien gab, der besser geeignet wäre, um ein solches Museum wie das Horniman zu ordnen und zu Katalogisieren. Andere denunzierten ihn als oberflächlichen Scharlatan, dessen Gelehrtheit nur Unwissende täuschen könne. Selbst sein Name war nicht ohne Zweifel - hiess er MacGregor - hiess er Mathers? Jedoch selbst das geringfügigste Wissen der Geschichte der Highlands kann dieses Rätsel lösen. Der Name MacGregor wurde nach dem 'Forty-five' verbannt. Seine Vorfahren nahmen in der Folge einen neuen Namen an - Mo-Athair's - "der Posthume" - welcher in Tat und Wahrheit ein Beiname der MacGregors, genauer des Sohnes von Alastair MacGregor von Glenstrae, der, nach dem Mord an seinem Vater 1603,geboren, als Führer von Glenstrae eingesetzt wurde. Dieser Name wurde in Mathers anglisiert, der dann von seinen Vorfahren gebraucht wurde. Aber der wahre Name war selbstverständlich MacGregor. Sein Großvater hatte mit großem Eifer am Siege von Pondicherry, mit Lally Tollendal gekämpft, und von Louis XIV den Titel Graf MacGregor de Glenstrae empfangen, ein französischer Name, der in England natürlich nicht verwendet wurde, jedoch dann von James II bestätigt wurde.

Kaum hatte ich ihn näher kennen gelernt, wurde der Grund der verschiedenen Meinungen über ihn offensichtlich . MacGregor war ein Kelte der Kelten, eine Art, die kein Engländer der eine teutonische Ader hat, je zu verstehen oder zu schätzen im Stande war.

Für sehr viele ist diese Art in der Tat wie ein rotes Tuch für einem Stier. Es gibt heute viele, die Dr. Johnson Missbrauch mit allem Keltischen oder Hochländischen vorwerfen. MacGregor hatte das ganz keltische brennende Feuer und den Stolz seiner Rasse. Er würde ein beliebiges Streitgespräch an einem bestimmten Punkt aufgreifen, ob real, oder bloss fiktional, der noch so geringfügig scheint um seinen Clan oder seine Nation zu verteidigen, und wie ein mittelalterlich Ritter mit scharfen Wortsinn argumentieren. Jedoch würde er immer im Nachteil sein, denn er ist vor allem ein ritterlicher Highlander, und in seiner Natur liegt nicht ein Korn von Bösartigkeit, unter seinen Konkurrenten jedoch, gab es einige, unehrenhafte Männer, die von Waffen Gebrauch machen würden, die unter der Gürtellinie liegen - von irgendeinem Stock, der gerade gut genug wäre, um einen Hund zu schlagen. Solch eine Natur, die mir als keltisch vertraut ist, war einem durchschnittlichen Angelsachsen unbegreiflich. Er hatte jedoch zweifellos eine gehörige Portion Eitelkeit, jedoch war es die harmlose Eitelkeit eines Kindes. Er war auch sehr leichtgläubig und vertrauensselig, so dass er eine leichte Beute für einen unverschämten Betrüger wäre. Denn er, der Täuschung über alles verabscheute, erkannte sie nur langsam in anderen, doch war er ohne Gnade gegen jene, bei denen er eine solche entdeckt hatte.

Es ist nicht an mir, von seiner Gelehrtheit zu sprechen, denn sie übersteigt die meine um vieles, dennoch weiß ich, dass sie ebenso schnell und aufrichtig von anderen Gelehrten angenommen, wie sie von seinen Feinden verleugnet und erniedrigt wurde. Ich zeigte einmal meinem ersten Lehrer in Hebräisch, einem Rabbi und hochentwickelten Kabbalisten einige seiner Briefe, die er mir zur Kabbala geschrieben hatte und der Rabbi sagte: "Der Mann ist ein wahrer Kabbalist. Sehr wenige einfache Leute wissen so viel, Sie können ihm sicher folgen." Als er einen Tempel der Isis für eine Pariser Ausstellung einrichtete, sagte ein Ägyptologe, dessen Name weltberühmt ist: "MacGregor ist ein zurückgekommener Pharao. Meine ganzes Leben habe ich die trockenen Knochen studiert; er hat sie wiederbelebt." Dies sind nur zwei Beispiele von vielen. Dennoch hat es Menschen, die behaupteten, dass seine Kabbala und seine Kenntnisse in Ägyptologie platt und oberflächlich wären, eine knappe Übersicht über die Arbeit anderer Männer. Wer soll entscheiden? Dennoch weiß ich, dass er viele Fragen, die ich ihm stellte, sofort und zufriedenstellend beantwortet hatte, reichlich versehen mit Zitaten vorhandener Autoritäten, die eine tiefe Vertrautheit mit dem Thema zeigten und nie habe ich einen Fehler ermitteln können.

Dieses ist nicht der Ort, um wieder einmal die Geschichte zu erzählen, wie er durch das berühmte (oder eher berüchtigte) Ehepaar Horos betrogen wurde. Die Geschichte ist weithin bekannt und der Gerichtsfall kann von Neugierigen nachgelesen werden; - dass er derart betrogen werden konnte, hat seine Ursache in den Fehlern seiner Qualitäten.

Von seinem okkulten Wissen und seiner Energie kann ich sicherer sprechen. Er hatte die seltene Gabe jenes tiefe innere Wissen klar abgegrenzt und strukturiert darzulegen, welches so häufig in nebligem Dunst und Wortklaubereien verschleiert ist, so das man sich durch Unmengen von Schlamm durchwühlen muss um lediglich einige wenige Edelsteine zu finden. Sein Wissen um Astrologie war aussergewöhnlich, wie durch die vielen Horoskope zu genüge nachgewiesen wird, die mir in die Hände gekommen sind und in denen die Genauigkeit seines Urteils, in vielen Fälle bewiesen, weithin überzeugte. Er hatte das zweite Gesicht seiner Rasse, das er zu einem bemerkenswerten Grad entwickelt hat, was mir in der Folge oft bewiesen wurde. Zeremonielle Magie vieler Zeitalter und Länder war ihm vertraut, und ich bin von den hervorragendsten Wissenschaftlern aufgeklärt worden, dass seine Erklärungen der Energien und Effekte des Zeremoniellen klar und logisch wären.

Dass er der Kopf eines hermetischen Rosenkreuzer-Ordens war, ist weithin bekannt. Darüber kann jedoch an dieser Stelle nichts gesagt werden. Diese Tatsache wurde im Falle der Horos' vor Gericht bekannt. Alle Mitglieder wurden durch einen feierlichen Eid verpflichtet, nichts hinsichtlich des Ordens oder seiner Mitglieder, oder was bei seinen Sitzungen stattfand zu verbreiten. Alles was in der Folge, hinsichtlich dieses Ordens veröffentlicht worden ist, kann nur durch die absichtliche Bosheit irgendeines Mitgliedes, oder durch die Phantasie des Erzählers erfunden worden sein. Ich kann ihnen jedoch sagen, dass meines eigenen Wissens trotz Meinungsverschiedenheiten und Abspaltungen in der Vergangenheit, der Orden weitergelebt und je regelrecht aufgeblüht ist. Es hat sich in viele Länder ausgebreitet, und die Loyalität und Zuneigung seiner Mitglieder für ihren Leiter waren zu der Zeit seines Todes grösser als jemals zuvor.

Viele Jahre lang wohnte er in Paris, und während in Frankreich lebte, verwendete er natürlich und richtigerweise seinem französischen Namen, den er, als er noch in seinem eigenen Land gelebt hatte, fallengelassen hatte.

Selten, so nehme ich an, hat ein Mann zu solcher Liebe und Hingabe und solcher tödlicher Animosität inspiriert. Ich kann jedoch von ihm nur sprechen, als von dem wahren und loyalen Freund, den ich gut die Hälfte meiner Lebenszeit kannte. Oft habe ich ihm irgendeine Frage in Bezug auf meine eigene literarische Arbeit geschrieben, und mit selbstloser Bereitschaft hat er jede andere Arbeit beiseitegelegt, um in den Pariser Bibliotheken und Museen Seiten um Seiten von mir unzugänglichen Manuskripten zu kopieren oder zu übersetzen oder auch einfach um mir sein angereichertes und seltsames Wissen, sowie seine geduldigen Nachforschungen zur Verfügung zu stellen. Ich war seinen Fehlern gegenüber, die an die Oberfläche lagen und allen offen standen, nicht blind. Dennoch denke ich, hatte ein Mann selten einen zuverlässigeren und herzlicheren Freund, der mit einem durch so viele Lebensumstände von Sonnenschein bis hin zum Schatten ging, als ich in MacGregor Mathers hatte.

Liebenwerter, impulsiver, hitzköpfiger, warmherzlicher Highlander! Er hatte er alle Fehler und Qualitäten seiner Rasse; missverstanden, gemieden und verehrt, tapfer und loyal bis zum Äussersten, hegte er keinerlei Übelwollen gegen jemanden und war selten nachtragend, selbst jenen gegenüber, die so leichtfertig und unbegründet Schlechtes über ihn verbreiteten. Ich bin froh, über diese Gelegenheit, ein kleines Blatt dem Kranz hinzuzufügen, der auf das Grab meines toten Freunds gelegt wird.

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