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Viele Magier sind sich der Tatsache bewusst, dass es zwei fade der hermetischen Magie gibt: den rechten und den linken Pfad. Jedoch gab es bisher wenige, die den Versuch unternommen haben, eine aussagekräftige Definition zu präsentieren, was denn diese beiden Pfade ausmacht. Dieser Mangel einer klaren Definition hat zu einer Vielzahl gegensätzlicher Ansichten darüber geführt, welche Systeme der Magie Teil welchen Pfades und welche Systeme harmonisch mit anderen kombinierbar sind. Hinzu kommt, dass aus diesem Zustand auch andere irrige Ideen entstehen, wie zum Beispiel jene, dass beide Pfade gleichzeitig begangen werden könnten oder dass ein solcher Versuch dem Begehen der mittleren Säule des kabbalistischen Baums des Lebens gleichkomme. Es soll hierbei bemerkt werden, dass Magier beider Pfade gehalten sind den Pfad der mittleren Säule zu gehen, was heisst, dass wir unsere Natur ins Gleichgewicht bringen, sodass wir nicht übermässig streng oder schwächlich gnädig sind, so dass wir uns in einer perfekten Balance zwischen Gnade und Strenge, Intellekt und Intuition, Wissen und Praktik, wissenschaftlicher Skepsis und Glauben befinden. Auf der anderen Seite, ist der Pfad der Hermetik für den wir uns entscheiden, ob nun den Linken oder den Rechten, ein fundamental moralischer Standpunkt und eine Richtung die wir wählen. Man kann beide Pfade so wenig gleichzeitig gehen, wie man gleichzeitig in entgegengesetzte Richtung marschieren kann. Wie dem auch sei, der Pfad der mittleren Säule ist jener, dem Suchende beider Pfade verschreiben können und letztlich auch müssen, wenn sie ihre Version der Erleuchtung erlangen wollen.
Vom Standpunkte dieser Zeilen repräsentieren die Lehren des Esoteric Order of the Golden Dawn, der Rosenkreutzer, des Martinismus und der Freimaurerei alle Beispiele des rechten Pfades, während Beispiele des linken Pfades in ihren höchsten Punkten Thelema und Chaosmagie und in ihren niederen Punkten Satanismus und Setianismus einschliessen. Es wird hier verstanden und angenommen, dass diese Gruppierung für eine Mehrheit der Vertreter der Thelema als beleidigend empfunden wird. Sollte der Leser jedoch Geduld zeigen und weiterlesen und die Definitionen die hier präsentiert werden betrachten, so wird er oder sie herausfinden, dass es sich hierbei nicht um eine Verunglimpfung handelt, sondern um Gemeinsamkeiten einiger Prinzipien, welche zwischen diesen Gruppen herrschen und die fundamental gegensätzlich zum anderen Pfade verlaufen.
GEMEINSAME PRINZIPIEN
Beide Pfade haben mehrere Punkte gemeinsam, obgleich die Definition und Ausübung dieser Punkte drastisch verschieden sein können. Einige der gemeinsamen Punkte sind:
- Jeder Mensch hat einen Grund zusein, den man den “wahren Willen” nennt und diesem zu folgen bringt den grössten Erfolg und das grösste Glück für einen Menschen. Die Erkenntnis und Erfüllung dieses “wahren Willens“ nennt man “Grosse Werk“.
- Jeder Mensch hat einen höheren Teil seines Selbsts, welches das einzige ist, das uns in der Vollendung des Grossen Werkes assistieren kann.
- Der Zweck der Spiritualität und der Magie ist es, Zugang zu diesem höheren Teil zu erlangen.
GEGENSÄTZLICHE PRINZIPIEN
Die unterschwellige Philosophie und die Ansicht des rechten Pfades beinhalten die folgenden Konzepte:
- Es gibt einen allmächtigen, höchsten Schöpfer, dem sowohl der Makrokosmos (das Universum), als auch der Mikrokosmos (der Mensch) am Herzen liegt und der mit beiden interagiert.
- Die beste Ausrichtung der Anstrengungen und der Fähigkeiten eines Individuums ist es, in Übereinstimmung mit dem Willen dieses höchsten Schöpfers zu arbeiten.
- Da alle Dinge, die oben sind in allen Dingen, die unten sind reflektiert werden, haben Symbole nicht nur Anteil an der Psychologie und Konditionierung eines Individuums, sondern auch an universellen Wahrheiten, die jenseits des menschlichen Einflusses, seiner Psyche oder Kondition teilhaben. Daher haben Symbole definierte, universale Bedeutungen, die durch den Menschen weder erschaffen, noch beeinflusst werden können, sondern nur durch die göttliche Quelle die ihm gegeben ist. Der Einfluss auf die Bedeutung eines Symbols durch die Psychologie und Konditionierung eines Individuums entsteigt lediglich aus dem mikrokosmischen Schleier, der sich zwischen der Person und dem Symbol befindet.
- Aus den selben Gründen wie in Nummer 3 gibt es auch ein universelles, definiertes Verständnis von richtig und falsch sowie Gut und Böse jenseits von menschlicher Psychologie, Konditionierung und kulturellem/sozialem Denken.
- Eine der wichtigsten Richtungen der Anstrengungen und Studien eines Menschen ist das Verständnis der wahren makrokosmischen Bedeutung der Symbole und einen korrekten Sinn für richtig und falsch und daraus die Anpassung des Geistes und des Herzens an die Anwendung der Früchte, die aus diesem Verständnis geboren werden.
- Einige der oben erwähnten Werte beinhalten folgendes:
- Einfach und friedvoll zu leben
- Respekt gegenüber Autorität, Hierarchie und Gesetz
- Reinheit (d.h. ausgeglichene und reife Zurückhaltung in der Sexualität, in extremen Verhaltensweisen und im Konsum von Substanzen wie bewusstseinserweiternden Drogen oder Alkohol)
- Selbstlosigkeit
- Dienst an einem höheren Gut und aneinander
- Hingabe an de höchsten Schöpfer
- Bescheidenheit
- Eide/Schwüre müssen zum spirituellen Fortkommen eingehalten werden.
- Die Macht, mit der die einzige Magie, die es wert ist getan zu werden, bewirkt, ist das Göttliche
- Der Preis für spirituellen Wachstum, vollkommenen Frieden, Glück und den grössten Segen für einen selbst ist die Selbstaufopferung.
- Glaube und religiöse Hingabe muss mit der Wissenschaft des Okkulten gepaart werden um höchste und schnellste spirituelle Erleuchtung und Erfolg im Grossen Werk zu erlangen.
Die unterschwellige Philosophie und die Ansicht des linken Pfades beinhalten die folgenden Konzepte:
- Das Konzept und die Existenz eines höchsten Schöpfers ist eher Sache des individuellen Glaubens, als makrokosmische Tatsache. Es spielt keine Rolle für das spirituelle Werk, ob es einen Schöpfer gibt oder nicht, welche Form er hat oder ob es viele Götter oder nur einen gibt oder ob ein solches Wesen irgendwelche Notiz von seiner Schöpfung nimmt.
- Es gibt keine beste Ausrichtung der Anstrengungen und der Fähigkeiten eines Individuums. Ob sie in den Dienst einer Gottheit, eines Nächsten oder jemandes Selbst gestellt werden hat keinen Einfluss auf das Grosse Werk.
- Die Definition und der Gebrauch von Symbolen ist gänzlich ein Ergebnis des menschlichen Schaffens, seiner individuellen Psychologie und des kollektiven Unterbewusstseins. Es spielt auch keine Rolle welches Symbol man wofür einsetzt. Das Einzige, was eine Rolle spielt ist, wie man sich einem Symbol gegenüber fühlt und wie dieses Gefühl mit dem gewünschten Resultat im Einklang steht.
- Aus den selben Gründen wie in Nummer 3 gibt es auch kein universelles, definiertes Verständnis von richtig und falsch sowie Gut und Böse jenseits von menschlicher Psychologie, Konditionierung und kulturellem/sozialem Denken
- Eine der wichtigsten Richtungen der Anstrengungen und Studien eines Menschen ist das Verständnis der eigenen Bedeutung der Symbole und des eigenen Verständnisses von richtig und falsch.
- Die folgenden Aktivitäten sind nicht nur akzeptabel sondern werden oft auch ermutigt:
- Selbstsucht
- Aufsässigkeit und Leben an der Grenze zum Illegalen
- Rebellion gegen jede Form von Autorität, Hierarchie und Gesetz
- der Gebrauch von Sex und von bewusstseinserweiternden Drogen in der Magie und bei spirituellen Vorhaben.
- Das gänzliche unberücksichtigt lassen der allgemeinen Religionen, basierend auf der eigenen Vorstellung ihrer Anhänger (wobei sie diese auf Grund von Ungereimtheiten, die sie selbst auch haben, da sie menschlich sind, heuchlerisch verurteilen)
- Schwüre/Eide können gebrochen werden wenn man sich danach fühlt, diese nicht mehr einhalten zu müssen, da daraus keine karmischen Konsequenzen entstehen. Weiter, dass es keine karmische oder Ursache-Wirkung Reaktion auf Grund des Guten oder Bösen im eigenen Verhalten gibt.
- Es ist hilfreich und effektiv für den individuellen Fortschritt im Grossen Werk, auf extensive Weise die Energien und Partnerschaft irdischer und infernalischer Quellen als Basis für die eigene magische Macht aufzubauen.
- Die Werte von Selbstaufopferung, Selbstlosigkeit, Gehorsam, Bescheidenheit und Einfachheit im Leben für die Vollendung des Grossen Werkes nicht nötig sind, sondern Bestenfalls hilfreich seien, doch nicht für alle und uns Schlechtestenfalls zu Sklaven und einfacher zu kontrollieren macht.
- Glaube und religiöse Hingabe haben wenig bis gar nichts mit dem Erlangen spiritueller Erleuchtung und Erfolg im Grossen Werk zu tun.
LETZTER PUNKT
Wie aus den obigen Ausführungen ersichtlich wird, ist das Konzept, beide Pfade gleichzeitig zu begehen, gänzlich unhaltbar. Gerade die Konzeptionierung und der Versuch dies trotzdem zu tun, würde jemanden bereits auf den linken Pfad allein weisen, da dieser der einzige ist, der ein solches Konzept überhaupt zulässt und dies für möglich hält. Es sollte auch beachtet werden, dass nur Vertreter des linken Pfades argumentieren werden, dass man trotzdem Versuchen könne oder sogar sollte.
Es sollte Beachtet werden, dass diese Definitionen aus dem Studium und der Praktik beider Pfade zu verschiednen Zeiten entstanden sind und eine grosse Anzahl der Lehren und Menschen repräsentieren, die diese Pfade bearbeitet haben. Trotzdem kann man in den obigen Definitionen noch Löcher aber auch Ausnahmen, welche die Regel bestätigen, finden. Gewiss gibt es auch Systeme sowohl des rechten, als auch des linken Pfades, die nicht ganz in alle Punkte der obigen Definitionen passen, doch werden sie die meisten trotzdem repräsentieren und bestätigen, wenn nicht in ihrer Theorie, dann sicher in der Praktik und den Früchten ihrer Arbeit. Sicher ist auch, dass es enorme Ausnahmen gibt, wenn man einzelne Individuen betrachtet, doch im Ganzen halten die obigen Definitionen und Zuweisungen stand.
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